Interview mit einem Triathleten

  • August 11, 2017

Fragen an Steffen Kundel

(Triathlet bei DSW Darmstadt, gebürtig aus Viernheim)
Wie wurdest Du Triathlet? Durch meine Eltern, die seit Gründung der Viernheimer Triathlonabteilung den Triathlonsport unterstützen. Da mein Vater daraufhin selbst leidenschaftlicher Triathlet wurde und mehrmals beim legendären Ironman in Roth startete, war schon schnell klar, dass ich ebenfalls Triathlet werden möchte.
Wie viele Stunden pro Woche trainierst Du als Profitriathlet & trainierst du noch intensiver, wenn der nächste Triathlon ansteht?

Zu nächst einmal muss ich sagen, dass ich kein Profitriathlet bin, da ich selbst eine 40 -45 Stunden Arbeitswoche habe und Triathlon deshalb nur als “Hobby” ausübe.
Schließlich verdiene ich mit dem Sport kein Geld, sondern übe lediglich meine große Leidenschaft aus.
Ab und zu springt auch mal ein kleines Preisgeld heraus, was aber in keinerlei Relation zu den jährlichen Ausgaben steht.
In der Woche trainiere ich je nach Intensität und Umfang zwischen10 und 20 Stunden.
Natürlich bezieht sich der Umfang und die Intensität auf den Saisonzeitpunkt, d.h. was für ein Wettkampf vor der Tür steht.

Wie sieht ein typischer Trainingstag bei Dir aus?

Mein Trainingstag beginnt unter der Woche entweder vor der Arbeit ab 6 Uhr oder nach der Arbeit je nach Feierabend ab 14:30 Uhr. Morgens stehen meist Fettstoffwechselläufe (mit nüchternen Magen) oder Radeinheiten auf dem Programm. Da ich an den meisten Tagen eine flexible Arbeitszeit habe, kann ich mir die Traingseinheiten relativ flexibel legen. Wenn ich Nachmittags von der Arbeit komme, wird zuerst ein Espresso getrunken und dann direkt trainiert. Nach dem Training steht dann ein ausgiebiges Abendessen auf dem Programm.

Hast du Rituale vor einem Triathlon?

Rituale nicht wirklich. Natürlich eine gesunde Ernährung die Tage zuvor und einen möglichst guten langen Schlaf. Morgens vor dem Wettkampf meistens ein Red Bull 😀

Schwimmen, Radfahren, Laufen – hast Du eine Lieblingsdisziplin bzw. eine Schwäche?

Meine Lieblingsdisziplin ist das Radfahren. Das Schwimmen ist im Allgemeinen sicherlich meine schwächste Disziplin, wenn ich mich zur Konkurrenz in der Bundesliga sehe. Bei längeren Distanzen im Triathlon, muss ich noch an meiner Laufperformance arbeiten, da ich mein Potential aus dem Training nicht richtig im Wettkampf umsetzen kann.

Welcher Triathlon ist deine Lieblingsstrecke?

Der Heidelbergman. Ich liebe die steilen Anstiege rund um den Königsstuhl und die harte Laufstrecke am Philosophenweg. Natürlich ist mein ehemaliges Heimrennen in Viernheim (wohne jetzt in Schwetzingen) auch ein super und toll organisierter Wettkampf, wo ich jedes Jahr aufs neue voll motiviert an der Startlinie stehe.

Was ist dein nächstes sportliches Ziel?

Qualifikation für den Ironman Hawaii.

Was ist dein persönlicher Lieblingsmoment bei einem Triathlon?

Der Zieleinlauf mit der verbundenen Gänsehaut 🙂

Wie viele Triathlon-Wettbewerbe bestreitest Du pro Jahr?

Zwischen 8-10 Wettkämpfe.

Was ist dein Lebensmotto?

Never ever give up!

Welche Zeiten wirst du schätzungsweise für den Triathlon in Viernheim brauchen?
(Schwimmen (1,5 km), Radfahren (40 km), Laufen (10 km))

Schwimmen: ca. 19-20 Minuten
Radfahren: ca. 1:05 Stunden
Laufen: ca. 35 Minuten
Gesamt: ca. 2 Stunden

Wie verletzungsanfällig sind Triathleten eigentlich?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich bin Gott sei dank seit mehreren Jahren sehr verletzungsunanfällig und komme bis auf kleinere Wehwehchen gut durch die Saison. Es gibt allerdings viele Triathleten die sehr anfällig sind und Jahr für Jahr Trainings- oder Wettkampfpausen einlegen müssen. Falsches Training, Stürze, anfälliges Imunsystem etc.

Was macht den Reiz am Triathlon für dich aus?

Die Vielfalt der 3 Sportarten und die Leidenschaft zum Ausdauersport.

Wie viele Ruhetage legt man nach einem Wettkampf ein?

Das ist ebenfalls unterschiedlich.
Bei kleineren Wettkämpfen wird meist schon 1 Tag später mit einer lockeren kleinen Einheit das Training wieder aufgenommen.  Nach meinem ersten Ironman Anfang Juli habe ich allerdings eine gute Woche pausiert und meine Beine hochgelegt.

Kennst du noch das Gefühl von Muskelkater?

Oja definitiv. Nach Wettkämpfen oder harten und intensiven Trainingseinheiten. Das gehört einfach dazu…

Deine Einschätzung – kann ein durchschnittlicher sportlicher Mensch einen Triathlon schaffen?

Ja denke ich schon, aber man darf den Dreikampf nicht unterschätzen. Die meisten potenziellen Triathleten haben Angst vor der ersten Disziplin, dem Schwimmen. Wenn man allerdings die Technik halbwegs beherrscht ist das Schwimmen kein Problem mehr. Man sollte allerdings zuerst einen Schnupper oder Hobbytriathlon bewältigen, bevor man sich größere Ziele steckt. Das ist meist der größte Fehler 😀

Was würdest du einem Leihen raten bei seinem ersten Triathlon zu beachten?

Bereitet euch gut und ausgiebig auf den Traithlon vor. Informiert euch im Voraus über die Streckenbeschaffenheit und den Zeitplan des Wettkampfes, um am Tag X selbst euch nicht so ein Stress zu machen. Viel trinken und eine gesunde und sinnvolle Ernährung vor und während des Wettkampfes.

Welche Ernährung empfiehlst du vor einem Triathlon?

In der Wettkampfwoche von Anfang an auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung achten. Viele Kohlenhydrate, Obst und natürlich ausreichend trinken. Wichtig ist, dass ein Athlet im Wettkampf selbst keine neuen Gels, Riegel etc. ausprobieren sollte, da das schnell nach hinten losgehen kann. Alles vorher in Ruhe im Training ausprobieren und dann im Wettkampf umsetzen.

Bei welcher der drei Disziplinen kann ein Leihe am schnellsten seine sportliche Leistung verbessern?

Beim Schwimmen kann der Leihe sicherlich am meisten durch gezieltes Techniktraining an Geschwindigkeit gewinnen. Daher sind Schwimmstunden bei einem erfahrenen Trainer sehr empfehlenswert. Aber auch beim Radfahren kann durch einen höheren Umfang (Kilometer) die Leistung schnell verbessert werden.

Was war dein größter sportlicher Erfolg?

Ein 13. Platz in der 1. Triathlon Bundesliga beim Alpentriathlon am Schliersee.  Sicherlich aber auch ein 3ter Platz  in der Gesamtwertung des BASF Triathlon Cup Rhein Neckar und mein Ironman Debüt diesen Jahres in 9:04h.

Wie hat sich deine erreichte Zeit vom ersten bis zum letzten Triathlon verändert?

Die Zeit hat sich sehr verändert, da ich bereits mit 6 Jahren meinen ersten Kindertriathlon absolviert habe. Da betrugen die Distanzen 100m Schwimmen, 2,5km Radfahren und 400m Laufen. Jetzt absolviere ich Wettkämpfe zwischen 50 min und 9 Stunden Renndauer.